klaviersolo – Grunelius-Konzerte<br>Der Wanderer und sein Schatten<br>Gesprächskonzert mit Amadeus Wiesensee

klaviersolo – Grunelius-Konzerte
Der Wanderer und sein Schatten
Gesprächskonzert mit Amadeus Wiesensee
Am Mittwoch, 30. November 2016, 19.30 Uhr
Amadeus Wiesensee © Sammy-Hart

Diese Veranstaltung ist bereits vorüber.

Amadeus Wiesensee Klavier

Johannes Brahms (1833 – 1897)
Variationen und Fuge über ein Thema von Händel B-Dur op. 24
Franz Schubert (1797 – 1828)
Aus den Moments Musicaux D780
Nr. 2 As-Dur
Nr. 5 f-Moll
Nr. 6 As-Dur

Sergej Prokofjew (1891 – 1953)
Klaviersonate Nr. 7 B-Dur op. 83

Nach seinem Debüt bei den Festspielen Europäische Wochen in Passau 2015 schrieben die Kritiker: „Der erst 21-jährige Amadeus Wiesensee ließ beinahe alles Bisherige in den Schatten treten, traumwandlerisch trifft er die Mischung von Innerlichkeit und Leidenschaft, von Noblesse und Kühnheit, von Monumentalität und Charme, weiß Pathos und Schwulst auseinanderzuhalten.“ Amadeus Wiesensee konzertierte bereits mit 12 Jahren mit dem BR-Rundfunkorchester, Kritikerlegende Joachim Kaiser urteilte: „Fabelhaft!“, Altbundespräsident Roman Herzog: „Noch nie hat mich ein Klavierspiel so berührt!“. Er beeindruckt nicht nur durch seine Virtuosität und intelligente Gestaltung, sondern auch durch sein außergewöhnliches Kommunikationstalent, wenn er seine Konzerte auf Anfrage moderiert. Da ihn eine der fundamentalen Fragen der Philosophie – diejenige nach den Grenzen der Erkenntnis – auch im künstlerischen Sinne stark beschäftigt, erwarb er parallel zu seinem Klavierstudium den Bachelor of Arts in Philosophie mit Bestnote. Die Presse urteilte im März 2016: „Der 22-jährige Künstler scheint eine Ausnahmeerscheinung zu sein - und zwar nicht nur unter den gleichaltrigen Konkurrenten.“
Jede Idee, aber auch jedes Subjekt bringt notwendigerweise sein Anderes hervor, jene dialektische Kehrseite als sein Gegenüber, ohne das es nicht existieren kann. „Der Wanderer und sein Schatten“ nimmt Bezug auf diese dynamisierende Bewegung in der Welt und geht ihren Spuren in den unterschiedlichsten Werkkonzepten nach. Brahms' Variationen über ein Thema von Händel entwerfen ein heiteres, motivisch interdependentes Panorama charakterlicher Vielfalt, das durch seinen wohlkonzipierten Aufbau eine wellenartig-lineare Progression vor einem gesamtharmonischen Horizont ermöglicht und damit bereits auf seiner kompositorischen Oberfläche die strukturellen Gegensätze vereint. Franz Schuberts „Moment musicaux“ hingegen weisen subkutane Bedeutungsadern auf, die das „Lachen im Weinen“ und „Weinen im Lachen“ als zart mäandernde Wanderungen der Psyche entfalten. Sergej Prokofjews siebte Klaviersonate wird abschließend eine andere Art des Umgangs mit dem Schatten realisieren: Der Widerstand gegen eine traumatisierende Präsenz gebärt Dämonen sui generis und führt in letzter Instanz zum psychischen Bruch.

Ernst Max von Grunelius-Stiftung (Förderer), Frankfurter Bürgerstiftung (Projektleitung)