quartetaffairs – Grunelius-Konzerte<br>Konzert mit dem Artemis Quartett

quartetaffairs – Grunelius-Konzerte
Konzert mit dem Artemis Quartett
Am Freitag, 25. November 2016, 19.30 Uhr
Artemis Quartett © Felix Broede

Diese Veranstaltung ist bereits vorüber.

Vineta Sareika Violine
Anetha Kreston Violine
Gregor Sigl Viola
Eckart Runge Violoncello

Joseph Haydn (1732 – 1809)
Streichquartett G-Dur op. 76 Nr. 1 Hob III: 75
Eduard Demetz (* 1958)
broken islands. Streichquartett Nr. 4 (Preisträgerkomposition des Artemis-Quartett-Kompositionswettbewerbs 2015)
Robert Schumann (1810 – 1856)
Streichquartett A-Dur op. 41 Nr. 3

Das in Berlin ansässige Artemis Quartett wurde 1989 an der Musikhochschule Lübeck gegründet und zählt heute zu den weltweit führenden Quartettformationen. Eigene Zyklen gestaltet das Ensemble seit 2004 im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie, seit 2011 im Wiener Konzerthaus (gemeinsam mit dem Belcea Quartet) und ab der Saison 2016/17 im Prinzregententheater in München. Neben ihrer Konzerttätigkeit sind die vier Musiker Professoren an der Universität der Künste in Berlin und an der Chapelle Musicale Reine Elisabeth in Brüssel. Seit 2005 nimmt das Artemis Quartett exklusiv für Virgin, heute Erato auf und blickt inzwischen auf eine umfassende Diskographie zurück. Zuletzt erschienen 2014 eine Einspielung mit Werken von Mendelssohn-Bartholdy (ECHO Klassik) und im Herbst 2015 die Friedemann Weigle gewidmete Aufnahme der Brahms-Quartette op. 51/1 und op. 67 (Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik). Mit Anthea Kreston formierte sich das Artemis Quartett Anfang 2016 neu.
Haydns‘ Opus 76, vom reifen 65-jährigen komponiert, beginnt wahrlich mit einer Eröffnung: drei aufsteigende Akkorde geben einen positiven Start für ein durchweg bewundernswert klares und frisches Allegro. Haydn besticht abermals durch seine ganz und gar lebendigen und persönlichen Erfindungen. Ein „religioso“ Adagio, erst im dunklen Register verhalten schreitend, dann in Gangart und Gestus mehr und mehr ekstatisch, wird für das Langsame in einem klassischen Werk exemplarisch. Der Altmeister schreibt kein tanzendes Menuett mehr, vielmehr springt uns ein Scherzo entgegen. Im dramatischen g-Moll Finale schließlich führt der so einfache wie effektvolle Griff nach Dur am Ende zu seelischer Freude und Vergnügen. Der von Artemis Quartett 2015 ausgeschriebene Kompositionswettbewerb fand seinen ersten Preisträger in Eduard Demetz. Über sein nun zur Aufführung kommendes Streichquartett „broken islands“ schreibt der Komponist: „Ein charakterisierendes strukturelles Merkmal ist die Kürze der einzelnen Abschnitte. Fünf Sätze von knapper Dauer (zwischen zwei und vier Minuten) konzentrieren sich jeweils auf die Konstruktion einer eigenen Klanglichkeit, wobei fallweise auch Bezug genommen wird auf Material aus den Nachbarsätzen. Zwischen diesen fünf Sätzen werden, ähnlich wie Schnittbilder, drei telegrammartige und wenige Sekunden dauernde Klanginseln eingeschoben. Sie fungieren als Überbrückungselement zwischen den Sätzen. Broken islands ist ein Klangarchipel, eine Kurzreise von Insel zu Insel.“
Auch op. 41 entstand 1842, in Schumanns intensivem Kammermusikjahr. Das A-Dur Quartett erscheint in typisch Schumannscher Manier, mit ständig vorgreifendem Gestus, eigentlich auch in langsamen Teilen ohne ruhige Pole, stets ausladend sein wollend - ist Schumann in diesem Sinne somit für mich der romantischste Komponist. Das Clara-Motiv, die fallende Quinte, eröffnet das Werk und bleibt durchweg präsent. Einer der eigenwilligsten Variationssätze bildet den zweiten Satz, gefolgt von einem der schönsten langsamen Sätze unseres Repertoires. Ein virtuoses, mit punktiertem Rhythmus im Kopfteil extrovertiertes Finale beschließt den Trias der Schumann Streichquartette.

Ernst Max von Grunelius-Stiftung (Förderer), Frankfurter Bürgerstiftung (Projektleitung)