quartetaffairs – Grunelius-Konzerte<br>Konzert mit dem Castalian String Quartet

quartetaffairs – Grunelius-Konzerte
Konzert mit dem Castalian String Quartet
Am Mittwoch, 23. November 2016, 19.30 Uhr
Castalian String Quartet © Karol Miczka

Diese Veranstaltung ist bereits vorüber.

Sini Simonen Violine
Daniel Roberts Violine
Charlotte Bonneton Viola
Christopher Graves Violoncello

Maurice Ravel (1875 – 1937)
Streichquartett F-Dur op. 35
Thomas Adès (* 1971)
The Four Quarters op. 28
Johannes Brahms (1833 – 1897)
Streichquartett B-Dur op. 67

Das 2011 in London gegründete Castalian String Quartet hat bei Oliver Wille in Hannover studiert und inzwischen eine wunderbare Karriere begonnen. Gerade konnten sie in Banff den 3. Preis erspielen, kurz zuvor gewannen sie die YCAT Audition in England, aus der sich eine rege Konzerttätigkeit - u.a. eine Serie in der Wigmore Hall - ergibt, sowie den Preis der Philharmonic Society und den 1. Preis in Lyon. Die Vier debütierten bereits beim Heidelberger Frühling, den Sommerlichen Musiktagen Hitacker und veröffentlichten eine CD mit Werken von Mendelssohn.
Wahrscheinlich eines der beiden berühmtesten französischen Streichquartette ist jenes von Maurice Ravel. Dem Komponisten gelang zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine ganz eigene Deutung von Form und Klang der traditionsbesetzten Königsgattung. Allein der Anfang des Eingangssatzes, der noch in F-Dur beginnt und sich dann wie in pentatonischer Melodie, begleitet von aufsteigender Basslinie  aufschwingt, um schließlich in den noch nicht berührten Tonarten wieder abzusteigen, hinterfragt die  Verhältnisse Dur/Moll, Tonika/Dominante sowie Schlusspunkte durch Kadenzen, die entweder plötzlich oder gar nicht mehr konventionell erscheinen. Wir befinden uns in einer neuen Tonsprache, meinen fast zu schweben, auch im langsamen Satz. Ein beliebter pizzicato Satz mit entrücktem Mittelteil sowie ein spektakulärer 5/8 Final-Ritt ergänzen das Quartett zu einem fantastisch vielschichtigen Werk. Der Komponist Thomas Adès hat für das Streichquartett eine ganz eigene Sprache gefunden. Nach seinem Werk „Arcadiana“ folgte 2011 „The Four Quarters“, ein Auftragswerk der Carnegie Hall für das Emerson Quartett. Ob dieses mysteriöse, ungewöhnlich angelegte Stück mit T.S. Eliot zu tun hat, bleibt zweideutig. Mit ausgereizten Spieltechniken beleuchtet das Quartett verschiedene Aspekte von Zeit. Den Abend beschließt ein ungewöhnliches Quartett, das dritte und letzte von Johannes Brahms. Fast wie eine Homage an Mozarts Jagdquartett, klassisch im „Vivace“, mit durchsichtigem 6/8 Gestus beginnt es im Duo/Tutti. Aber Brahms bleibt unverkennbar, seine durch Schönberg beschriebene „entwickelnde Variation“ besticht in Vielseitigkeit melodischer, rhythmischer und metrischer Formen. Dem frischen und dramatisch entwickelnden Vivace Beginn folgt ein traumhafter langsamer Satz mit typischem „ungarese“ Mittelteil. Besonders der Viola kommt eine prominente Rolle zu, sowohl das Agitato-Scherzo ist ihr gewidmet, als auch wundervolle Variationen im Finalsatz. Brahms‘ Lieblingsinstrument?

Ernst Max von Grunelius-Stiftung (Förderer), Frankfurter Bürgerstiftung (Projektleitung)